Poppy seeds

Positiver Nachweis von Opiaten nach Verzehr von Mohnkuchen

Fallbericht

Wie uns schon durch verschiedene Veröffentlichungen bekannt war, gibt es Fälle wonach nach dem Verzehr von Mohnsamen Morphin und Codein im Urin nachzuweisen war. Dies ist jedoch abhängig vom Morphingehalt des Mohnsamens. Schon einige Zeit war ich deshalb auf der Suche nach solchen Mohnkuchen. Leider anfangs ohne Erfolg, bis mich eine besorgte Mutter anrief. Ihr Sohn hatte während einer Therapie (Alkoholentzug) plötzlich ein nicht zu erklärendes positives Drogenscreening. Auf die Frage ob ein vorher gegessener Mohnkuchen dieses Ergebnis verursachen könnte, verwies ich auf die bekannten Studien. Ich empfahl einen solchen Kuchen mir zur Analyse zukommen zu lassen. Paradoxerweise gibt es solchen Mohnkuchen im Cafe des Therapiezentrums zu kaufen. Ein Kollege hat sich bereiterklärt die Hälfte des Kuchenstücks (110 g) zu essen und seine Urinproben analysieren zu lassen. Die Ergebnisse haben uns überrascht. 

 

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Opiatnachweis nach Verzehr von 110 g Mohnkuchen

 

In der Basalprobe (Urinkontrolle vor dem Verzehr des Mohnkuchens) fanden sich keinerlei Opiate/Morphine. Bereits die erste Probe, rund 1,5 Stunden später wies ein positives Ergebnis auf. Die zweite Probe nach 3,5 Stunden überraschte mit seinem deutlich positivem Ausschlag. Nach 13 Stunden, es handelt sich hierbei um den Morgenurin, konnten immer noch deutlich Opiate nachgewiesen werden. Die Bestätigungsanalyse mittels GC/MS konnte klar Morphin und Codein bestätigen. Selbst nach 42 Stunden sind noch Spuren der Opiate nachzuweisen. 

 

Mohnkuchenstudie

Um diese Ergebnisse zu untersteichen und zu bestätigen haben wir weitere Stücke eines Mohnkuchens gekauft. Eine Bäckerei in der Umgebung hat diesen Kuchen als Besonderheit jeden Freitag zum Verkauf. Zwei Kolleginnen haben sich bereiterklärt als Probandin 2 und 3 zu fungieren. Die Kuchen wurden gewogen und eine Basalurinprobe gewonnen. Nach dem Verzehr wurde von jedem Urin eine Probe genommen und später analysiert. Um alle Ergebnisse miteinander vergleichen zu können sind die ermittelten Werte jeweils auf einen Kreatiningehalt von 100mg/dl berechnet. 

Probandin 2 hat ein kleines Stück Mohnkuchen (180 g) gegessen.

 

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Opiatnachweis nach Verzehr von 180 g Mohnkuchen

Auch hier in den ersten Probe direkt ein positives Ergebnis. Über 1300ng/ml nach 3 Stunden und nach 22 Stunden immer noch ein deutlich positiver Nachweis von Opiaten.

 

Probandin 3 hatte ein ganzes Stück Mohnkuchen (228 g) gegessen.

 

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Opiatnachweis nach Verzehr von 228 g Mohnkuchen

Wieder sofort positive Ergebnisse bis über 2200ng/ml Opiate und noch nach 39 Stunden deutlich positiv. 

Bringt man nun alle Ergebnisse auf einen Punkt kann man sicher sagen, dass ein Verzehr Mohnkuchen einen positiven Opiatnachweis verursachen kann.

Es hat sich inzwischen herausgestellt, dass auch Mohn z.B. aus Australien importiert wird. Aufgrund anderer Erntemethoden sind die Mohnsamen stark mit Morphin kontaminiert. Der Gehalt liegt um das mehrere hundertfache höher als beim z.B. Mohn europäischer Anbaugebiete. Unterscheiden lässt sich für den Konsumenten nicht, um welchen Mohn es sich handelt. Gesundheitsschädliche Konsequenzen sind nicht zu erwarten, deshalb wird es schwierig sein, die Einfuhr aus solchen Anbaugebieten zu kontrollieren.

 Es macht somit Sinn Probanden die im Drogenscreeningverfahren sind, anzuhalten keinen Mohn zu verzehren. Wir informieren unsere Probanden deshalb schon seit Jahren in unserem Infoblättern.

 

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