Morphium, Opium, Heroin

mohnkapselEs gibt bereits seit dem 4. Jahrtausend vor Christus schriftliche Zeugnisse über die Verwendung des Schlafmohnes als Rausch- und Heilpflanze. Der griechische Schlafgott Morpheus gab dem Morphium seinen Namen. Hippokrates empfahl den Milchsaft des Schlafmohnes (daher die Bezeichnung Opium [=Pflanzensaft]) zur Herbeiführung eines Heilschlafes. Seit dem 19. Jahrhundert kennt man Mitteleuropa Opium als Rauschdroge. Seit 1804 ist die Morphinbase isoliert und als "Mercks Morphine" kommerziell vermarktet. Erst durch die Erfindung der Injektionsspritze 1860 ist die exakte Dosierung möglich. In den Kriegen wurden Opiate im großen Stil als Schmerzstiller verwand, was zur Opiatabhängigkeit vieler Soldaten führte. 

Rohstoff für die Opiumherstellung ist der getrocknete Milchsaft des Schlafmohnes Papaver somniferum. Nicht alle Mohnarten sind morphinhaltig, so ist der hierzulande bekannte  "Klatschmohn" völlig morphinfrei (siehe jedoch Nachweis von Morphin nach Verzehr von Mohnsamen). Nachdem die Mohnpflanze seine Blütenblätter verloren hat ritzt der Opiumbauer die Mohnkapsel an um den heraustretenden Milchsaft, nachdem er zu einer braunen, klebrigen Masse oxidiert ist, abzuschaben. Dieses Rohopium enthält Wirkstoffe die sedative, hypnotische, narkotische, atemdepressorische, antitussive, analgetische und euphorisierende Wirkungen haben. Morphin (bis 20%), Codein (bis 3%), Thebain, Papaverin, Narkotin (bis 6%)

Heroin (Diacetylmorphin) wird durch Acetylierung der aus dem Rohopium gewonnenen Morphinbase hergestellt. Das isolierte Morphin hat eine 10fach stärkere Rauschwirkung als Opium, Heroin wiederum eine 5-10fach stärke Wirkung als Morphin. Die Wirkungsdauer ist jedoch deutlich kürzer. Bei Heroin 1-3 Stunden, bei Morphin bis zu 6 Stunden. Monoacetylmorphin, der Metabolit des Heroins passiert die Blut-Hirn-Schranke, aufgrund seiner Fettlöslichkeit, wesentlich schneller als Morphin.

Die zentrale Morphinwirkungen sind eine ausgeprägte Miosis (stecknadelkopfgroße Pupillen), Atemdepression (Hemmung des Atem-Hustenzentrums) und eine Tonussteigerung der glatten Muskulatur. Im Gehirn wird die Rindenaktivität beeinflusst was die Bewusstseinslage dämpft und die Übertragung von Schmerzimpulsen reduziert. Man nimmt an, dass die Rezeptoren der körpereigenen Morphine (Endomorphine) von den Opiaten besetzt werden und so eine ähnliche Wirkungen entfalten.heroin auf alu

Das in der Pfeife gerauchte "Rauchopium" (vorher geröstetes Rohopium) spielt in Europa ebenso wie Morphin eine untergeordnete Rolle. Das hierzulande gehandelte Heroin wird meist i.v. injiziert ("gefixt"). Dazu  muss es vorher zum Beispiel in Zitronensaft unter Aufkochen in einem Löffel gelöst werden.

Unmittelbar nach der Injektion kommt es zu euphorischen Wirkungen, der sogenannte "Kick". Danach folgt eine ruhige, glückliche Stimmungslage mit einer Gleichgültigkeit gegenüber äußeren Reizen. Dieser Zustand wird als "high" bezeichnet.

Alternativ kann das Heroin auf einer Alufolie erhitzt und der entstehende Dampf mit einem Strohhalm inhaliert werden. Diese Konsumart ist in Gegenwart von Hepatitis und Aids von Vorteil hinsichtlich der Infektionsgefahr. Auch kann das Heroinrauchen vor ungewollter Überdosierung der Droge schützen. Oft schwanken die Wirkstoffkonzentrationen der auf dem Markt angebotenen Heroinverschnitte stark. Selten wird Heroin i.m. oder subcutan gespritzt oder nasal aufgenommen ("sniffen"). 

Heroin wird im Organismus rasch zu 6-Acetyl-Morphin metabolisiert (Halbwertszeit 5 Minuten) und dann im wesentlichen zu Morphin hydrolisiert. Die Halbwertszeit von Morphin beträgt 6 Stunden.

Der immunologische Screeningtest erfasst alle Opiate (Heroin, Morphin, Codein, Dihydrocodein sowie deren Metaboliten und weitere Opiate die jedoch hinsichtlich des missbräuchlichen Konsums nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen, z.B. Pholcodin, Ethylmorphin, Hydrocodon, Hydromorphon).

Kommt es nun zu einem positiven Nachweis im Opiate-Screeningtest muss über eine weitere Analyse, z.B. GCMS, herausgefunden werden welches oder welche Opiate sich im Untersuchungsmaterial befinden. Nur wenn wirklich Heroinmetaboliten nachgewiesen werden, darf von einem Heroinkonsum ausgegangen werden.

 

Mohnsamen (Poppy seeds)

Überraschenderweise haben Studien gezeigt, dass schon der Verzehr von mehreren Mohnbrötchen ausreicht um einen einen positiven Nachweis von Morphin auszulösen. Nach dem Verzehr eines Mohnkuchens mit etwa 15g Mohnsamen konnten Werte von über 2000 ng/ml gefunden werden. Diese positiven Nachweise sind stark abhängig vom Opiatgehalt des Mohnsamens und finden sich nur wenige Stunden nach dem Verzehr. Aufgrund dieser Tatsachen werden von uns die Probanden, die regelmäßig Urinkontrollen durchführen lassen müssen, angehalten vorsichtshalber keine größeren Mengen an Mohn zu verzehren.

Wir haben hierzu vor einigen Jahren eine laborinterne Studie durchgeführt. Siehe "Mohnkuchen-Versuch".

 

 

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